Trennung mit Kindern: Bedürfnisse sehen, Kraft bewahren


Du möchtest, dass dein Kind gut durch eure Trennung kommt. Deshalb denkst du mit, organisierst, fängst auf. Und abends fragst du dich trotzdem: Habe ich genug zugehört? War ich zu ungeduldig? Wie geht es meinem Kind wirklich?
Gerade wenn viel Verantwortung bei dir liegt, kann daraus ein weiterer Anspruch werden: Neben allem anderen sollst du auch noch jederzeit verständnisvoll und emotional verfügbar sein.
Du darfst dein Kind ernst nehmen und gleichzeitig merken, dass deine eigene Kraft gerade knapp ist.
Ein Moment erzählt noch nicht die ganze Geschichte
Dein Kind kommt nach einem Besuch zurück und ist aufgewühlt. Oder es spielt vergnügt weiter, obwohl dich der Abschied noch beschäftigt.
Solche Momente können Fragen auslösen: Ist etwas passiert? Belastet mein Kind die Trennung? Warum erzählt es mir nichts?
Du musst darauf nicht sofort eine Antwort finden. Was du beobachtest und welche Bedeutung du darin siehst, sind zunächst zwei verschiedene Dinge.
„Mein Kind möchte gerade allein spielen“ beschreibt eine Situation. „Mein Kind zieht sich von mir zurück“ ist bereits eine Deutung.
Diese Unterscheidung lässt Raum, genauer hinzuschauen und zuzuhören, ohne schon eine Erklärung festzulegen.
Eine kleine Frage für euren Alltag
Zwischen Abendessen, Hausaufgaben und Wäsche bleibt wenig Zeit für große Gespräche. Du kannst trotzdem eine Gelegenheit schaffen, in der dein Kind etwas erzählen darf:
„Gibt es gerade etwas, das du dir von mir wünschst?“
Die Antwort muss kein Gespräch über die Trennung sein. Zusammen spielen. Beim Einschlafen dabeibleiben. Wissen, wer morgen abholt.
Und wenn dein Kind nichts sagen möchte, darf die Frage stehen bleiben. Du hast Interesse gezeigt. Es muss daraus nichts entstehen, das du noch am selben Abend lösen musst.
Du darfst ehrlich mit deiner Kraft umgehen
Dein Kind wünscht sich Nähe, du brauchst nach einem anstrengenden Tag kurz Ruhe. Beides kann gleichzeitig da sein.
Du kannst sagen:
„Ich möchte dir zuhören. Ich brauche noch zehn Minuten, um kurz durchzuatmen. Danach setze ich mich zu dir.“
Wähle etwas, das du tatsächlich einhalten kannst. Auch ein kleiner gemeinsamer Moment hat seinen Platz: ein Buch, ein Gespräch am Bettrand oder zusammen ein Brot schmieren.
Du musst aus jedem Nachmittag etwas Besonderes machen.
Für heute reicht eine Frage: Was ist ein kleiner, machbarer Moment, in dem ich meinem Kind meine Aufmerksamkeit schenken kann?
Mehr zur Perspektive deines Kindes nach der Trennung hörst du in der aktuellen Folge von Look Closer.
Bis dahin, alles Liebe!





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