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Schon in der Beziehung mit dem Alltag allein

Autorenbild: Vanessa Keller
Vanessa Keller
22. Okt.
4 Min. Lesezeit
Der Alltag läuft weiter. Doch wer trägt die Verantwortung mit, wenn du nach der Trennung mit den Kindern allein dastehst?
Der Alltag läuft weiter. Doch wer trägt die Verantwortung mit, wenn du nach der Trennung mit den Kindern allein dastehst?


Die Schule schreibt, ein Kind braucht neue Schuhe und der nächste Arzttermin fällt mitten in deine Arbeitszeit. Während du noch überlegst, wie du das organisierst, kommt die nächste Frage: „Mama, was gibt es heute zu essen?“


Also machst du weiter. Entscheidest, planst um, kümmerst dich.

Von außen sieht das vielleicht gut organisiert aus. Was kaum jemand sieht: wie viel Kraft es dich kostet, ständig verantwortlich zu sein.


Du bekommst den Alltag hin. Aber du wünschst dir, ihn nicht allein tragen zu müssen.

Wenn du nach der Trennung mit den Kindern weitgehend allein dastehst, kennst du möglicherweise genau dieses Gefühl. Und vielleicht hat es lange vor der Trennung angefangen.


Schon in der Beziehung mit dem Alltag allein

Du hast an die Wechselkleidung gedacht, Arzttermine vereinbart und gewusst, wann die nächste Schulveranstaltung ist. Wenn etwas dazwischenkam, hast du umgeplant.

Schon damals.


Die Trennung war ein Einschnitt. Die Verantwortung für den Familienalltag lag aber schon vorher weitgehend bei dir.

Dann fehlt dir heute womöglich keine Unterstützung, die du früher hattest. Dir fehlt etwas, das du dir schon in der Beziehung gewünscht hast: jemand, der selbst sieht, was ansteht, und verlässlich Verantwortung übernimmt. Ohne dass du darum bitten, alles erklären oder daran erinnern musst.


Es kann wehtun, sich das einzugestehen. Auch weil du vielleicht lange gehofft hast, dass es irgendwann anders wird.


Du kannst wissen, warum du gegangen bist, und dir trotzdem wünschen, diesen Alltag nicht allein tragen zu müssen.


Mit den Kindern allein – trotz gemeinsamer Elternschaft

Es gibt einen zweiten Elternteil. Trotzdem bist du diejenige, die nachfragt, erinnert und einspringt.


Vielleicht betreust du die Kinder überwiegend allein. Vielleicht teilt ihr euch die Betreuung,

aber vieles bleibt trotzdem bei dir hängen. Denn Verantwortung lässt sich nicht allein daran ablesen, wer die Kinder wie viele Stunden bei sich hat.


Wer behält die Termine im Blick? Wer organisiert, wenn etwas ausfällt? Wer sorgt dafür, dass aus einer offenen Aufgabe eine erledigte wird?


Auch das Mitdenken gehört zum Familienalltag. Und auch das kostet Kraft.

Das bedeutet nicht, dass jede schwierige Absprache fehlendes Interesse beweist. Beide Eltern können sich kümmern wollen und trotzdem Schwierigkeiten haben, Verantwortung verlässlich aufzuteilen. Entscheidend ist, wie euer Alltag tatsächlich aussieht – und was du darin dauerhaft auffangen musst.


Warum „Du schaffst das schon“ manchmal wehtut

Andere sehen, was du alles bewältigst. Sie möchten dich bestärken und sagen: „Du bist so stark. Du schaffst das schon.“


Aber du möchtest womöglich gar nicht noch einmal hören, wie gut du durchhältst.

Du möchtest, dass jemand wahrnimmt, was dich das kostet. Dass eine aufgeräumte Küche nicht bedeutet, du hättest noch Kraft übrig. Dass du deine Kinder liebst und trotzdem dringend eine Pause brauchst.


Vielleicht möchtest du einmal sagen dürfen: „Mir ist das gerade zu viel“, ohne anschließend erklären zu müssen, warum du trotzdem eine gute Mutter bist.


Dein Funktionieren sagt wenig darüber aus, wie es dir geht.

Überforderung nach einer Trennung kann auch bedeuten, dass du alles Nötige erledigst und selbst dabei kaum noch vorkommst.


Du darfst Entlastung vermissen, ohne die Beziehung zurückzuwollen

Abends, wenn endlich Ruhe ist, merkst du vielleicht erst, wie erschöpft du bist. Oder am Wochenende, wenn du dir wünschst, dass einmal jemand anderes den Tag im Blick behält.

Dann taucht womöglich der Gedanke auf: Wäre es zusammen doch leichter gewesen?

Diese Frage darf da sein. Gleichzeitig lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Was fehlt dir gerade wirklich?


Der Mensch, von dem du dich getrennt hast? Nähe? Ein Gespräch am Abend? Oder jemand, der Verantwortung übernimmt, damit du auch einmal loslassen kannst?

Du musst darauf keine sofortige Antwort haben. Aber du darfst unterscheiden zwischen der Sehnsucht nach dieser Beziehung und dem Wunsch nach einem Alltag, der dich weniger Kraft kostet.


Wo kann Entlastung anfangen, wenn schon alles an dir hängt?

„Dann musst du dir Hilfe holen.“

Vielleicht hast du diesen Rat längst gehört. Vielleicht hast du auch schon um Unterstützung gebeten – und erlebt, dass du hinterher wieder selbst zuständig warst.

Dann wird selbst das Organisieren von Hilfe zu einer weiteren Aufgabe.


Es reicht deshalb nicht, dir einfach zu sagen, du müsstest mehr abgeben. Es braucht einen genaueren Blick: Was belastet dich besonders? Welche Unterstützung würde dich tatsächlich erreichen? Und was ist möglich, wenn der andere Elternteil nicht so mitträgt, wie du es brauchst?


Du musst nicht erst noch besser organisieren, was schon zu viel für dich ist.

Die Frage ist, wo etwas leichter werden kann.


Episode 22 von Look Closer: Nach der Trennung mit den Kindern alleingelassen


In Episode 22 gebe ich dieser Erfahrung Raum: dem Gefühl, mit den Kindern und der Verantwortung weitgehend allein dazustehen.


Die Hauptfolge lädt dich ein, deine Belastung genauer wahrzunehmen und erste Orientierung zu finden. In der ergänzenden Bonusfolge gehen wir einen Schritt weiter und schauen auf die Umsetzung in deinem eigenen Alltag.


Wenn du dich beim Lesen wiedererkannt hast, hör gerne hinein. Du musst nichts vorbereiten und noch keine Lösung kennen.


Du darfst auch einfach erst einmal zuhören, ohne gleich wieder etwas erledigen zu müssen.



Du möchtest deine Situation gemeinsam sortieren?

Manchmal hilft es, die eigenen Gedanken auszusprechen, ohne sofort einen weiteren Ratschlag zu bekommen.


In meiner persönlichen Begleitung schauen wir gemeinsam darauf, was dich belastet, welche Unterstützung dir fehlt und welche nächsten Schritte für dich möglich sind.


Bis dahin, alles Liebe!


 
 
 

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