Wenn Menschen gehen, bleibt oft mehr zurück als Leere
- Vanessa Keller

- 4. Juni
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 22 Stunden

Es gibt Menschen, bei denen wir irgendwann selbstverständlich davon ausgehen, dass sie bleiben. Nicht unbedingt für immer. Aber doch für sehr lange.
Man kennt ihre Stimme. Ihre Eigenheiten. Man weiß, was sie auf bestimmte Fragen antworten würden. Irgendwann gehören sie einfach zur eigenen Lebenswirklichkeit.
Und dann verändert sich etwas.
Manchmal passiert das plötzlich. Nach einem Streit. Nach einer Trennung. Nach einer Enttäuschung.
Manchmal passiert es so langsam, dass man es zunächst gar nicht bemerkt.
Die Nachrichten werden weniger. Die Gespräche oberflächlicher. Die Abstände größer.
Bis man irgendwann feststellt, dass dieser Mensch zwar noch existiert, aber nicht mehr Teil des eigenen Alltags ist.
Ich glaube, was dabei oft übersehen wird: Wir verlieren nicht nur Menschen. Wir verlieren Gewohnheiten. Wir verlieren Selbstverständlichkeiten. Wir verlieren die Vorstellung davon, wie unser Leben mit diesem Menschen vielleicht weitergegangen wäre.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum manche Abschiede uns noch lange beschäftigen, obwohl die eigentliche Beziehung längst vorbei ist. Nicht, weil wir zurück wollen. Sondern weil wir uns irgendwann eingestehen müssen, dass die Zukunft, die wir uns ausgemalt hatten, nicht stattfinden wird.
Dabei ertappe ich mich manchmal bei einem Gedanken: Warum glauben wir eigentlich so oft, dass eine Beziehung nur dann wertvoll war, wenn sie dauerhaft geblieben ist? Wenn ich auf mein eigenes Leben schaue, gibt es Menschen, die mich über viele Jahre
begleitet haben.
Und andere, die nur für eine vergleichsweise kurze Zeit da waren. Manche davon sehe ich heute gar nicht mehr. Trotzdem haben sie Spuren hinterlassen. Ein Satz, den ich nie vergessen habe. Eine Sichtweise, die ich übernommen habe. Ein Moment, an den ich heute noch denke. Oder einfach die Erinnerung an eine Zeit, die ohne diesen Menschen anders verlaufen wäre.
Natürlich macht das einen Verlust nicht leichter. Natürlich gibt es Menschen, die wir gern weiter an unserer Seite hätten. Aber vielleicht muss nicht jede Verbindung bis ans Lebensende bestehen, um wichtig gewesen zu sein.
Vielleicht darf man gleichzeitig traurig darüber sein, dass jemand nicht mehr da ist, und dankbar für das, was gewesen ist. Das eine schließt das andere nicht aus.
Manchmal denke ich noch an Menschen, die längst nicht mehr Teil meines Lebens sind.
Nicht jeden Tag. Nicht einmal regelmäßig.
Aber plötzlich fällt mir ein Gespräch wieder ein. Oder etwas, das sie einmal gesagt haben.
Und dann merke ich, dass ihr Platz in meinem Leben zwar kleiner geworden ist, aber nicht verschwunden.
Vielleicht ist das der Grund, warum ich mich mit dem Gedanken schwer tue, Menschen einfach als Kapitel zu betrachten, die abgeschlossen sind. Manche bleiben. Nur anders als gedacht.
Wenn dich dieses Thema gerade beschäftigt und du tiefer eintauchen möchtest, findest du in Look Closer Plus eine zusätzliche Bonusfolge zu Episode 6.
Darin spreche ich darüber, warum uns manche Wegbegleiter noch lange beschäftigen, selbst wenn sie längst nicht mehr Teil unseres Lebens sind, und begleite dich mit konkreten Reflexionsfragen durch dieses Thema.
Alles Liebe,





Jetzt verstehe ich, was du meinst, sorry, ich vergesse immer wieder, dass uns ja doch generatiinsmäßig 23 Jahre trennen!
Du meinst nach einer ersten rauschhaften Liebe, die in einem Zusammenleben, vielleicht sogar einer Ehe, endete, in der man dachte, sie hält "ewig", die schmerzhafte Lernerfahrung zu machen, dass Liebe zu einem ausgewählten Menschen nicht "ewig" ist, richtig?
(Ich würde sogar schäfer postulieren, die Erkenntnis zu gewinnen "Liebe macht blind!")
Für die erste große Liebe, die in dieser rauschhaften "dionysischen" Selbstaufgabe besteht, tut man alles bis hin zur Selbstvdrweigerung und hofft, dass dieser Rausch ewig hält.
In der Regel dauert dieser Zustand zwischen 1 und 3 Jahren im Schnitt.
Dann kriegt man entweder die Kurve in den Alltag oder nicht.
Das…